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500 PS-Supersportler im Vergleich



Audi R8, Nissan GT-R, Porsche 911 Turbo im Test:

500 PS-Supersportler im Vergleich

Seit ihn der Nissan GT-R düpiert hat, verlangt der nun modellgepflegte Porsche 911 Turbo im Vergleichstest nach Revanche. Und noch ein dritter Allrad- Bolide mischt mit: der zehnzylindrige Audi R8 5.2 FSI Quattro.

Nissan GT-R: Porsche-Schreck zum Discount-Preis

Gemeinsam volllastig unterwegs, bringen sie den kleinen Kurs wie eine Supernova zum Leuchten. Allrad-Brachialos sind alle drei, und doch stehen sie für unterschiedliche Konzepte der Motoranordnung: Front (Nissan GT-R), Mittel (Audi R8 5.2 FSI Quattro) und Heck (Porsche 911 Turbo). Dabei fasziniert jeder auf seine Art und erhielt im Einzeltest bei auto motor und sport fünf Sterne; zuletzt brillierte der nachjustierte Porsche. Schon Generationen von Turbos setzten Maßstäbe bei den Sportwagen, bis den letzten eine Realität gewordene Playstation- Fantasie namens Nissan GT-R (der Nissan GT-R auf dem Nürburgring) ladedruck- und prozessorbewehrt im Vergleichstest düpierte - ein Porsche- Schreck zum Discount-Preis. Zeit für Verbesserungen. Jetzt fußt die gewaltige Schub-Eruption des Top- 11ers auf einem neuen Direkteinspritzer- Boxer, den Ladern des GT2, der veränderten Kraftverteilung des Allrad- Systems und einem optionalen Direktschaltgetriebe (3.915 Euro) - sowie dem traktionsverlustfreien Rennstart per Launch-Control.

Der Porsche Turbo beschleunigt in 3,3 Sekunden von Null auf 100 km/h

Anders als früher zeugt der Null-auf-100-Wert nicht mehr von einem virtuos kuppeln- und schaltenden Piloten, sondern von den Kennfeld- Künsten der Programmierer. Kaum vorstellbare 3,3 Sekunden zeigt das Messgerät an, noch bevor der Fahrer Tempo 100 wahrgenommen hat. Die Beschleunigung scheint sich im Moment des Anfahrens zu verdichten. Diese aus dem Ärmel geschüttelte Allmacht dürfte selbst unsentimentale Technokraten-Seelen aufwühlen. Schon kann sich Nissan trotz aller Nordschleifen- Wundertaten und der digitalen Kraft von Regel-Algorithmen seiner querdynamischen Vormachtstellung nicht mehr sicher sein. Zumal die harte Test-Realität manchmal ernüchternd mechanisch ist. Rückblick: Während eines Vmax-Versuchs auf dem Highspeed-Rondell von Nardo hisste der V6-Biturbo die weiße Flagge.

Ansatzlose Explosion mit dem Audi R8

Dieses Gefühl beschert der voll beschleunigte Audi R8 ebenfalls. Doch es entspringt nicht nur dem Schub der 530 Nm, sondern auch dem Lustschrei seines 5,2-Liter-Zehnzylinders. Mit den wilden Genen des Lamborghini-V10 geboren, brüllt er dessen Apokalypse-Oratorium - allerdings abgesoftet in Moll statt Dur. Damit wird er auch für die Business-Klasse kaufbar. Verzugsfrei dreht der V10 hoch, lässt sich feinsinnig modulieren oder explodiert auf Wunsch ansatzlos bis in den Drehzahlbegrenzer. Und beweist, dass ein Saugmotor bei der Elastizität nicht unbedingt von den Turbos überwältigt werden muss: Der Audi R8 zieht fast so unbändig durch wie der Nissan GT-R, übertrifft den Porsche 911 Turbo (der Porsche 911 Turbo im Test )deutlich. Der tritt mit dem Handikap des lang übersetzten siebten Gangs an, der ihm andererseits den niedrigsten Verbrauch im Vergleich beschert.

Der Audi R8 macht auf wilden Hecktriebler

Doch wirklich kreativ sind alle drei Motoren erst im Suff. Wie einst Hemingway. Und kreativ ist auch das Audi R8-Fahrwerk. Im Grenzbereich verleugnet der Zweisitzer gar seinen Allradantrieb und macht bei abgeschaltetem ESP auf wilden Hecktriebler, so bereitwillig schwenkt die Hinterhand bei Leistungsüberschuss aus - sogar auf der Quasi-Geraden am Ausgang der Sachs-Kurve in Hockenheim, was auf die Rundenzeit drückt: 1.12,3 min. Dabei spielt der Audi R8 nach den altbekannten Mittelmotor-Regeln, nimmt jeden fahrdynamischen Impuls willfährig auf und setzt ebenso jeden Fehler um. So sensibel muss ein Supersportwagen reagieren, wenngleich das vom Gallardo übernommene sequenzielle Getriebe mit langen Schaltzeiten so gar nicht dazu passen will.

Der Nissan GT-R unterrichtet müheloses Schnellfahren

Anders die verstellbaren Stoßdämpfer: Sie decken den breitesten Bereich in diesem Vergleich ab, bieten Rundstrecken-Straffheit oder aber Autobahn-Komfort. Den vermutet man eher im limousinenartigen Nissan GT-R mit seinen Frontmotor- Proportionen samt eines großen Kofferraum-Abteils im Heck. Innen bietet er nicht nur viel Platz, sondern auch eine neue Form des Entertainments: Auf der Mittelkonsole thront ein Touchscreen-Monitor und zeigt nach Art der Playstation Quer-, Längs- und Negativ-Beschleunigung, sämtliche Temperaturen sowie Drücke an. Das Angebot ist dabei ähnlich komplex wie die Bedienung selbst. Eine Anzeige befasst sich mit der Kraftverteilung von hinten nach vorn und zurück, wobei der Fahrer auf trockener Landstraße davon wenig spürt. Anders als der unendlich neutrale Nissan GT-R im Einzeltest untersteuert der hier antretende, kopflastig wirkende Testwagen in Hockenheim allerdings am Kurveneingang, bevor sein Heck ab dem Scheitelpunkt unter Last herausdrückt - weich und kontrollierbar. Die spielerische Stabilität ist einzigartig unter den 500-PS-Boliden. Wenn der Nissan GT-R ein Geheimnis in sich birgt, dann dieses: Er gibt Unterricht im mühelosen Schnellfahren.

Am geschmeidigsten ist der Audi R8

Nach einer Runde auf dem Kleinen Kurs zeigt die Uhr phänomenale 1.12,0 min. Seine bessere Traktion und die serienmäßig montierten Dunlop-Semislicks setzen den Nissan GT-R knapp vor den Audi. Dennoch gibt es Punktabzug; bei starkem Regen neigen die Sportreifen zu frühzeitigem Aquaplaning mit Haftungsverlust. Weitere Kritikpunkte: Wegen der ultradirekt ansprechenden, aber tauben Lenkung läuft der Nissan GT-R schlecht geradeaus, seine hohe Sitzposition lässt kein Sportwagen-Gefühl aufkommen, und trotz adaptiver Verstellmöglichkeiten der Stoßdämpfer dringen harte Stöße durch. Vor solchen Zumutungen verschont der Porsche 911 Turbo seine Passagiere, erreicht aber nicht die Geschmeidigkeit des Audi R8 (der Audi R8 5.2 Quattro im Einzeltest ). Traditionell pflegt Porsche die Rückmeldung; Schnellfahren versetzt den Piloten in eine absolute Sinnesgegenwart - offen für sämtliche Informationen, die aus dem Fahrwerk in Lenkung sowie Sitz fließen. Der Ernst des Fahrens ohne große Gesten: brachialer Schub nicht als Überwältigungsstrategie, sondern als Werkzeug der Macht, am effektivsten mittels Doppelkupplungsgetriebe samt optionaler Schaltpaddeln (417 Euro) eingesetzt und mit der im Vergleich am besten dosierbaren Bremse im Zaum gehalten.

Porsches Verbesserungen am 911 Turbo haben gefruchtet

Und so geht der Turbo als Letzter auf die gezeitete Runde in Hockenheim. In den Fängen des ESP bewegt, bleibt der Porsche ein domestizierter Büffel ohne Ausbruch-Tendenzen. Doch bei der Zehntel- Jagd ohne fahrdynamisches Netz zeigt sich seine ureigene Heck-Dominanz - der Gravität folgend drängt es den schweren Motor bei Lastwechseln in Kurven auf die Überholspur. Ein Verhalten, das weder GT-R noch R8 zeigen. Dennoch rettet der Turbo einen Vorsprung über die Ziellinie: 1.11,5 min. Dasselbe gilt für die Eigenschaftswertung im Vergleich. Porsches Verbesserungen haben gefruchtet; damit holt Zuffenhausen die an Japan verlorene Ehre zurück. Und sogar der Audi R8 schiebt sich am Nissan GT-R vorbei.

Der Preis spricht für den Nissan GT-R

Dass er am Ende ganz hinten liegt, schuldet der Audi R8 seinem Preis und dem Verbrauch samt Kraftstoffkosten - an seiner Faszination als reinrassigster Sportwagen im Feld kratzt das nicht. Dass der Porsche 911 Turbo im Gesamtergebnis erneut gegen den Nissan GT-R den Kürzeren zieht, wird beim Blick auf die Preisliste klar: Samt Keramikbremse, Sport-Chrono-Paket und Torque-Vectoring kostet er fast das Doppelte. Um zu gewinnen, hätte Porsche nicht nur die Technik, sondern auch die Kalkulation stark verbessern müssen.

1. Nissan GT-R Black Edition 462 Punkte

 

Wie beim letzten Mal siegt der Nissan GT-R über seinen günstigen Preis - doch in der Eigenschaftswertung liegt er hinten. Sein hölzerner Komfort wirft ihn zurück. Nach wie vor gibt es aber enormen Schub fürs Geld.

2. Porsche 911 Turbo PDK 460 Punkte

 

Die technischen Änderungen setzen den Porsche 911 Turbo in der Eigenschaftswertung vor den Nissan GT-R. Jetzt ist er wieder Handling-König. Dank der ausgebufften Launch-Control beschleunigt er in einer eigenen Liga.

3. Audi R8 5.2 FSI Quattro 445 Punkte

 

Ein echter-Mittelmotor-Supersportler. Sein faszinierender V10- Sauger und messerscharfe Reaktionen bringen ihn in der Eigenschaftswertung auf Platz zwei, Kosten und Verbrauch werfen ihn zurück.



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Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem "Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT) unentgeltlich erhältlich ist. Die angegebenen Werte wurden nach dem vorgeschriebenen Messverfahren (§ 2 Nrn. 5, 6, 6a Pkw-EnVKV in der jeweils geltenden Fassung) ermittelt. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen.